Joseph änderte seine Meinung

Früher in diesem Kapitel schrieben wir: „Es scheint also, dass Joseph Smith zur Zeit, als er seinen ersten Bericht von der Vision in der ‚Wildnis’ schrieb, nicht glaubte, dass Gott der Vater einen Körper hatte. Zum Ende seines Leben hin änderte Joseph Smith aber seine Meinung und entschied, dass Gott einfach ein erhöhter Mensch wäre… Da Joseph Smith seine Meinung in Bezug auf die Gottheit geändert hatte, entschied er sich offensichtlich, seine Geschichte in Bezug auf die Erste Vision zu ändern.“ Direkt nachdem wir die 1972er-Ausgabe dieses Buches veröffentlichten, schrieb Marvin S. Hill von der Abteilung für Geschichte an der Brigham-Young-Universität einen Artikel, in dem er zugab, dass Joseph Smith seine Meinung über die Gottheit geändert haben könnte. Hill war aber immer noch nicht bereit, zuzugestehen, dass dies Betrug vonseiten Joseph Smiths zeigt:

Brodies Annahme von einem betrügerischen Propheten wurde durch ihre Entdeckung gestützt, dass frühe Mormonen die Geschichte von der ersten Vision nicht übereinstimmend erzählten und, wie sie 1945 behauptete, die früheste Version vom Propheten erst 1838 niedergeschrieben wurde. Sie hatte das Argument irgendwie revidieren müssen, da jetzt bekannt ist, dass der früheste noch vorhandene Bericht 1832 geschrieben wurde. Aber es gibt unleugbar Abweichungen bei den verschiedenen Berichten; nicht alle sind vom Standpunkt der Mormonentheologie unerheblich… Sich auf die Abweichungen zu konzentrieren, die die Personen der Gottheit in der Geschichte von der ersten Vision berühren, ob ein oder zwei Personen, heißt, sich auf eine theologische Frage zu konzentrieren und ihre historische Bedeutung außer Acht zu lassen… Brodie und andere sind von den theologischen Folgerungen in Anspruch genommen worden, die das Produkt Joseph Smiths und des späteren Denkens des Mormonenvolks waren. Dies hat sie die wichtigen Folgerungen wie die sozialen und religiösen Ursprünge des Mormonismus, die der wesentliche Punkt sein könnten, übersehen lassen. Wenn sich im Laufe der Jahre Josephs Konzept von der Gottheit änderte, so erweist sich dies nicht mehr als ein Beweis von Betrug als die Anpassung anderer Aspekte seiner Theologie in späteren Jahren.(Dialogue: A Journal of Mormon Thought, Winter 1972, Seite 78-79)

Während wir das Gefühl haben, dass Marvin Hill immer noch nicht den wahren Folgerungen aus dieser Sache ins Gesicht sieht, ist es erfrischend zu sehen, wie ein angesehener Mormonenschreiber zugibt, dass sich „Josephs Konzept von der Gottheit“ geändert haben könnte.


 

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Ein Kapitel aus dem berühmten Werk von Jerald und Sandra Tanner "Mormonism - Shadow or Reality?"
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