Lehremäßige Änderung

Als Lauritz G. Petersen, Forschungsinspektor im Kirchengeschichtsbüro, in Bezug auf die verschiedenen Berichte von der ersten Vision befragt wurde, schrieb er einen Brief, in dem er erklärte: Wir sind nicht wirklich darüber besorgt, welche der beiden Versionen von der Ersten Vision richtig ist… Persönlich würde ich die Version nehmen, die der Prophet selbst gab, als er erklärte, dass er zwei Personen sah. Ungeachtet dessen, ob er zwei oder eine sah, bleibt die Tatsache, dass Jesus Christus erwähnt wird, bei beiden erhalten.

Aus dieser Aussage wird offenbar, dass Mormonenapologeten anfangen, sich von der Vorstellung, dass Gott der Vater Joseph Smith erschien, zurückzuziehen. Dies ist eigentlich eine sehr bedeutende Angelegenheit, da Mormonenführer diese Vision als Beweis für ihre Lehre von der Vielheit der Götter benutzt haben. Sie haben erklärt, dass diese Vision beweist, dass Gott und Christus zwei getrennte Personen sind und dass sie beide einen Körper haben. Sie gebrauchen diese Vision, um zu beweisen, dass Gott selbst nur ein ERHÖHTER MENSCH ist. George Q. Cannon, der ein Mitglied der Ersten Präsidentschaft der Mormonenkirche war, verkündete 1883:

Es gab kaum einen Menschen auf der Erde, der eine echte Vorstellung von Gott hatte… Aber all dies wurde in einem Augenblick durch das Erscheinen des Allmächtigen selbst weggewischt – durch das Erscheinen Gottes, des Vaters, und Seines Sohnes Jesus Christus gegenüber dem Jungen Joseph… In einem Augenblick verschwand all diese Finsternis und wiederum wurde ein Mensch auf Erden gefunden, in Fleisch gekleidet, der Gott gesehen hatte. Diese Offenbarung machte alle falschen Vorstellungen und falschen Ideen zunichte und entfernte jede Unsicherheit, die in Bezug auf diese Angelegenheiten existierte. Der Vater kam in Begleitung des Sohnes und zeigte somit, dass es zwei Personen der Gottheit gibt… Joseph sah, dass der Vater eine Gestalt hatte, dass Er einen Kopf hatte, dass Er Arme hatte, dass Er Glieder hatte, dass Er Füße hatte; dass Er ein Gesicht und eine Zunge hatte… Es kann keinen Glauben geben, der nicht auf eine wahre Vorstellung von Gott, unserem Vater, gebaut ist. Deshalb, bevor überhaupt Engel kamen, kam Er selbst noch einmal zu den Menschen auf Erden.(Journal of Discourses, Bd. 24, S. 371-72)

Der Mormonenapostel LeGrand Richards erklärt: “Dies war die erste Vision des Propheten. Hieraus lernen wir unter anderen Wahrheiten, dass Gott der Vater und sein Sohn, Jesus Christus, getrennte und verschiedene Personen sind und dass der Mensch buchstäblich im Ebenbild Gottes erschaffen ist.“ (A Marvelous Work And A Wonder, 1966, S. 12)

Präsident Joseph Fielding Smith hat gesagt: “Es gibt keinen Bericht in der Geschichte oder als Offenbarung, wo je vorher sowohl der Vater als auch der Sohn in der Gegenwart eines sterblichen Menschen in Herrlichkeit erschienen.(Essentials in Church History, S. 46-47)

Der Mormonenapostel John A. Widtsoe kommentierte:

Es war ein außergewöhnliches Erlebnis. Nie zuvor waren Gott der Vater und Gott der Sohn einem sterblichen Menschen erschienen…Die Erste Vision… erschütterte viele falsche Lehren, die die Jahrhunderte hindurch gelehrt wurden… Wenige, und sehr wenige hatten sich Gott als eine Person vorgestellt. Diese Sichtweise war gewöhnlich bei Seite gelegt worden, da sie Gott fast wie einen Menschen in Bezug auf Körper und Mächte machte. Menschen hatten mit Schrecken über einen anthromorphischen Gott ihre Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, was immer dies bedeutet haben mag…

Die Erste Vision klärte diese ganze Angelegenheit… sie beantwortete die Jahrhunderte alte Frage über das Wesen Gottes. Der Vater und der Sohn waren Joseph als Personen erschienen, in der Gestalt wie Menschen auf der Erde…

Von den frühen Tagen des Christentums an hatte die irrige Lehre vom Wesen Gottes zu… der falschen Vorstellung geführt, dass der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, die Gottheit, Einer wären, eine Einheit…

Diese falsche Lehre wurde durch die erste Vision nieder geworfen. Zwei Personen, der Vater und der Sohn, standen vor Joseph… Es gab in der Vision keine Vermischung von Personen. Jede der Personen war ein individuelles Mitglied der Gottheit. Jeder hatte getrennt seinen Anteil an der Vision.“ (Joseph Smith--Seeker After Truth, Seite 4-7)

Eigentlich ist die Tatsache, dass der erste geschriebene Bericht über die Erste Vision nur EINE Person erwähnte, mit dem übereinstimmend, was Joseph Smith über Gott glaubte, als er das Buch Mormon schrieb. Das Buch Mormon, das 1830 zum ersten Mal veröffentlicht wurde, lehrte, dass es nur einen Gott gab:

Und dann sagte Abinadi zu ihnen: Ich möchte, dass ihr verstehen könntet, dass Gott selbst unter die Menschenkinder herabkommen und sein Volk erlösen wird. Und weil er im Fleische wohnt, wird er der Sohn Gottes genannt werden, und da er das Fleisch dem Willen des Vaters unterworfen hat und der Vater und der Sohn ist… Und so unterwirft sich das Fleisch dem Geist oder der Sohn dem Vater, die ein Gott sind…(Buch Mormon, Mosiah 15:1, 2, 5)

Das Buch Mormon erzählt von einem Besuch des Vaters und des Sohnes bei dem „Bruder Jareds“. Aber der Vater und der Sohn, die hier erwähnt werden, sind KEINE zwei getrennte Personen. Nur EINE Person erscheint und diese Person sagt: „Sieh, ich bin es, der seit Grundlegung der Welt bereitet war, mein Volk zu erlösen. Sieh, ich bin Jesus Christus. Ich bin der Vater und der Sohn. In mir soll die ganze Menschheit Licht haben…“ (Ether 3:14)

Das Buch Mormon lehrt deutlich, dass Gott der Vater ein GEIST ist, und die erste Ausgabe von Lehre und Bündnisse enthält ebenfalls einen Hinweis, der erklärt, dass Gott ein Geist ist. Es scheint also, dass Joseph Smith zu der Zeit, als er seinen ersten Bericht von der Vision in der „Wildnis“ schrieb, nicht glaubte, dass Gott der Vater einen Körper hatte. Aber zum Ende seines Lebens hin, änderte er seine Meinung und entschied, dass Gott einfach ein erhöhter Mensch wäre. 1844 behauptete er: „Erstens, Gott selbst, der jenseits der Himmel auf dem Thron sitzt, ist ein Mensch wie einer von uns…(Times and Seasons, Bd. 5, Seite 613)

Da Joseph Smith seine Meinung in Bezug auf die Gottheit geändert hatte, entschied er sich offensichtlich, seine Geschichte in Bezug auf die Erste Vision zu ändern.


 

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Ein Kapitel aus dem berühmten Werk von Jerald und Sandra Tanner "Mormonism - Shadow or Reality?"
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