Revision gefordert

Zumindest ein Mormonenschreiber schlägt dies vor, weil wegen der Herausgabe der neuen Dokumente Fawn Brodie ihr Argument revidieren muss, dass die Erste Vision irgendwann nach 1834 erfunden wurde. Wir meinen, dass diese Kritik ein wenig unfair ist. Eigentlich sind die Mormonenführer diejenigen, die ihre Argumente revidieren sollten. Sie sind diejenigen, die sagten, dass Joseph Smith „nur eine Geschichte erzählte“, und sie sind diejenigen, die die zwei „merkwürdigen“ Berichte von der Vision unterdrückten. Wir sind sicher, dass Fawn M. Brodie diese Dokumente benutzt hätte, wenn die Mormonenführer sie ihr zugänglich gemacht hätten. In der Tat reproduzierte und erörterte sie diese Dokumente in einem Nachtrag zur neuen Ausgabe ihres Buches (siehe No Man Knows My History, N. Y., 1971, S. 405-410). Diese Dokumente passen perfekt in ihre These, dass Joseph Smith die Vision, viele Jahre nachdem sie sich angeblich ereignet hatte, erschuf. Sie hatte gesagt, dass die „Ehrfurcht gebietende Vision, die er in späteren Jahren beschrieb, eine kunstvolle Ausarbeitung eines halberinnerten Traums gewesen sein könnte, der durch die frühe Wiedererweckungsaufregung und durch die reiche Folklore an Visionen, die in seiner Nachbarschaft im Umlauf war, angeregt wurde. Oder sie könnte reine Erfindung gewesen sein, die irgendwann nach 1834 geschaffen wurde…“ Auf Seite 22 der älteren Ausgabe erklärte sie, dass „Geringere Visionen wie diese in der Gegend gewöhnlich waren“. Sie fährt dann mit der Erklärung fort, dass andere behaupteten, den Herrn gesehen zu haben, aber Josephs Vision vom Vater und dem Sohn „warf all diese Erlebnisse in den Schatten“. Wenn Fawn Brodie zu dem „merkwürdigen“ Bericht, der in den frühen 1830ern geschrieben wurde, Zugriff gehabt hätte, hätte sie das fehlende Glied gehabt, um ihre These vollständig zu machen. Die Tatsache, dass Joseph Smith nur Christus als in der Vision anwesend erwähnte, macht sie sehr den anderen Visionen „der Gegend“ ähnlich. Mormonenschreiber geben zu, dass die Sache, die Joseph Smiths Bericht einzigartig macht, die ist, das der Vater UND der Sohn erschienen. Paul R. Cheesman sagt, dass „Joseph Smiths Bericht darin einzigartig ist, dass der Vater und der Sohn zusammen erschienen und beide sprachen. Für diejenigen, die die Bibel und das Buch Mormon als echt akzeptieren, gibt es in diesen Berichten kein anderes Beispiel, dass diesem Erlebnis in dieser Hinsicht gleich kommt.("An Analysis of the Accounts Relating Joseph Smith's Early Visions," Seite 18)

Nun, da wir Joseph Smiths ersten Bericht von seiner Vision haben, wissen wir, dass sie nicht einzigartig war. 1816 veröffentlichte ein Geistlicher namens Elias Smith ein Buch, in dem er von seiner Bekehrung erzählt. Beachten Sie, wie sehr er Joseph Smiths erstem Bericht ähnelt: „…Ich ging in den Wald…nach einem Stecken aus Holz; nachdem ich ihn über meine Schulter gelegt hatte… während ich auf einem großen Baumstamm entlangging… rutschte mein Fuß ab… der Holzstecken fiel mit dem einen Ende auf den Stamm und mit dem anderen auf den Schnee und fing mich ab… Während ich mich in dieser Stellung befand, erschien ein Licht vom Himmel… Mein Geist schien in dieses Licht empor zu steigen bis zum Thron des Gottes und des Lammes… Das Lamm, das einst erschlagen wurde, erschien meinem Verstand, und während ich ihn sah, spürte ich solche Liebe für ihn, wie ich nie für etwas Irdisches empfunden hatte… Es ist für mich nicht möglich zu sagen, wie lange ich in dieser Situation verweilte…“(The Life, Conversion, Preaching, Travels, and Sufferings of Elias Smith, Portsmouth, N.H., 1816, S. 58-59)

Alexander Campbell schrieb folgendes am 1. März 1824 in Bezug auf eine „Wiedererweckungsbewegung im Staate New York“: „Die Begeisterung blühte… Dieser Mann wurde erneuert, während er schlief, durch eine Vision der Nacht. Dieser Mann hörte eine Stimme im Wald, die sagte: ‚Deine Sünden sind dir vergeben’. Ein dritter sah seinen Erlöser auf die Wipfel der Bäume zur Mittagszeit herabsteigen.(The Christian Baptist, Bd. 1, S. 148-49)

Der bekannte Wiedererweckungsprediger Charles G. Finney ging, wie Joseph Smith, „in den Wald“ hinaus, um zu beten. In jener Nacht kam er in einen Raum und obwohl es dort „kein Feuer und kein Licht in dem Raum gab, erschien es mir dennoch, als wäre es vollkommen hell gewesen. Als ich hinein ging und die Tür hinter mir schloss, schien es, als begegnete ich dem Herrn Jesus Christus von Angesicht zu Angesicht.“ (Charles G. Finney, S. 15-21) Diese Vision trug sich in den frühen 1820ern zu und da Finney in New York so populär war, kannte Joseph Smith wahrscheinlich seine Geschichte. Gilbert Seldes erklärte: „Die Geschichte seiner Bekehrung breitete sich aus und das Wäldchen, indem er mit dem Heiligen Geist verkehrte, wurde ständig von anderen begierigen Seelen aufgesucht, die ihn im Gebet mit gleichen erfolgreichen Ergebnissen imitierten.“ (The Stammering Century, Seite 104) Wir präsentieren weitere Information in Bezug auf diese Angelegenheit in unserem Case, Bd. 1, S. 108-109.

In einem 1830 veröffentlichten Buch erzählte Stephen H. Bradley, dass er dachte, er „sah den Erlöser“, als er vierzehn Jahre alt war. William James zitiert dieses Buch in The Varieties of Religious Experience, S. 157-58. Asa Wild behauptete, eine Offenbarung zu haben, die der Geschichte, die Joseph Smith veröffentlichte, sehr ähnlich ist. Sie wurde im Wayne Sentinel am 22. Okt. 1823 veröffentlicht (die Zeitung, die die Familie Joseph Smiths offensichtlich abonniert hatte): „Es schien, als ob mein Geist… zur Regungslosigkeit geschlagen wurde, oder auch bis zur Nichtigkeit vor der Ehrfucht gebietenden und herrlichen Majestät des Großen Jehova. Er sprach dann… Er sagte mir auch, dass jedes Bekenntnis bekennender Christen äußerst verderbt geworden ist;… Er sagte mir ferner, dass er jene Klasse von Personen erweckte und jetzt durch einen Engel erweckt, der vom Offenbarer xiv 6,7 erwähnt wird, der in die Mitte des Himmels flog und das ewige Evangelium zu predigen hatte… Ferner sagte er, dass all die verschiedenen Glaubensbekenntnisse bekennender Christen das Neue Testament Babylons darstellten…

Der Herr offenbarte noch viel mehr, aber er verbietet es mir, sie auf diese Weise zu erzählen.(Wayne Sentinel, 22. Oktober 1823)

Man kann deutlich sehen, dass die Geschichte, die Joseph Smith in den frühen 1830ern erzählte, nicht viel anders ist als die Visionen, die andere erzählt haben. Erst als er den Teil über den Vater hinzufügte, wie dieser mit dem Sohn erschien, begann die Geschichte einzigartig zu klingen.


 

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Ein Kapitel aus dem berühmten Werk von Jerald und Sandra Tanner "Mormonism - Shadow or Reality?"
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